Einblicke aus dem Deep Dive Umweltplanung & Gebäude

Der Deep Dive der URBAN.KI-Jahrestagung 2025 präsentierte praxisnahe Projekte wie SmartEnergie, SoVIA und ArchivAIr – für effizientere, datenbasierte Verwaltungsprozesse.

Im Rahmen der URBAN.KI-Jahrestagung am 28. November 2025 wurden im Deep-Dive-Format praxisnahe KI-Anwendungen aus den Innovationsbereichen Umweltplanung und Gebäude, Stadtplanung und Mobilität sowie Bevölkerungsschutz und Sicherheit vorgestellt. Der Deep Dive bot Raum für eine vertiefte Darstellung der Projekte, ihrer fachlichen Einordnung sowie der zugrunde liegenden technischen Architekturen. Im Deep Dive zu Umweltplanung und Gebäude gingen die Experten auf konkrete Anwendungsfälle aus der kommunalen Praxis – von der Energieberatung bis zur digitalen Bauaktenanalyse. Der Fokus lag auf drei zentralen Use Cases: SmartEnergie, SoVIA und ArchivAIr.

Im ersten Schwerpunkt, SmartEnergie, wurde die wachsende Dynamik im kommunalen Energiesektor adressiert. Energieberatungsstellen sehen sich mit einer stetig steigenden Zahl an Anfragen zu Photovoltaik, Solarpflichten, Wärmepumpen, energetischer Sanierung oder Förderprogrammen konfrontiert. Die Bearbeitung dieser Anfragen erfordert aktuelle Rechtskenntnisse, technisches Verständnis sowie die Fähigkeit, Informationen aus unterschiedlichen Quellen konsistent aufzubereiten.

Am Beispiel des Landkreis Wittmund wurde im Deep Dive aufgezeigt, wie ein KI-gestütztes Assistenzsystem die Verwaltung bei dieser Aufgabe unterstützen kann. Das System beantwortet Anfragen aus der Bürgerschaft automatisiert, basierend auf Fakten und stets unter Verwendung geprüfter Quellen. Die technische Basis besteht aus einer durchdachten Such- und Antwortarchitektur: Im Frontend wird eine Anfrage gestellt, im Backend erfolgt die Interpretation und anschließend erfolgt ein Abgleich mit relevanten Dokumenten durch eine Kombination aus Vektor- und Volltextsuche. Ein Sprachmodell erstellt eine Antwort darauf – mit klarer Quellenangabe.

Zentrale Prinzipien sind dabei „Human-in-the-Loop“ und die Nachvollziehbarkeit. Die KI nutzt ausschließlich kuratierte Inhalte, um Mitarbeitende zu unterstützen, ersetzt sie jedoch nicht. Damit liegt die fachliche Verantwortung eindeutig bei der Verwaltung.


Mehr Effizienz, konsistente Qualität und gestärktes Vertrauen

Der Vorteil für Kommunen ist klar erkennbar: Der zeitliche Aufwand für Recherche wird deutlich verringert, Antworten stehen schneller zur Verfügung und sind bereits strukturiert aufbereitet. Gleichzeitig steigt Konsistenz der Kommunikation – Tonalität, Qualität und fachliche Tiefe bleiben vergleichbar – unabhängig davon, wer die Anfrage bearbeitet. Die transparente Nutzung nachvollziehbarer Quellen stärkt zudem das Vertrauen der Einwohnerschaft.

Darüber hinaus wird die Klimaschutzkommunikation intensiviert. Bürgerinnen und Bürger erhalten zu Energie- und Klimathemen klare, verständliche und verlässliche Informationen – dies ist eine wesentliche Voraussetzung für Akzeptanz, Beteiligung und langfristige Mitwirkung.

Das ausgearbeitete System beschränkt sich nicht auf Energiethemen. Die zugrunde liegende Architektur lässt sich ohne strukturelle Anpassungen auf andere kommunale Aufgabenbereiche übertragen, etwa auf Soziales und Familienservice, Umwelt und Abfall, Bauen und Wohnen sowie Mobilität und Verkehr. Auf diese Weise entsteht eine skalierbare und zukunftsfähige Grundlage für eine konsistente, digitale Verwaltungskommunikation.


KI auch im Bauwesen: SoVIA und ArchivAIr

Der im Deep Dive vorgestellte Use Case Solar Visual Inspection Assistant (SoVIA) zeigt, wie KI gezielt zur Effizienzsteigerung in der kommunalen Verwaltung eingesetzt werden kann. SoVIA verfolgt einen zweigleisigen Ansatz zur Unterstützung bei der Prüfung der Solarpflicht: Zum einen nutzt das System hochauflösende Luftbilder und offene Geodaten, um Dachsanierungen ohne installierte Solaranlage automatisch zu erkennen. Diese automatisierte Bilderkennung liefert standardisierte, GIS-kompatible Daten, die direkt in kommunale Geoinformationssysteme integriert werden können, wodurch aufwendige Ortsbegehungen reduziert und die Einhaltung der Solarpflicht datenbasiert überprüft werden kann.

Zum anderen analysiert SoVIA die eingereichten Bauanträge, die oft aus heterogenen Dokumenten wie Bauzeichnungen, Formularen oder textlichen Beschreibungen bestehen. Mittels Dokumentenklassifikation, Informationsextraktion und regelbasierter Strukturierung werden prüfrelevante Inhalte identifiziert und aufbereitet. Die KI bereitet damit die Sachbearbeitung systematisch vor, ohne die endgültige Entscheidung zu übernehmen – die fachliche Bewertung verbleibt bei der zuständigen Fachabteilung.

Im Deep Dive wurde zudem hervorgehoben, dass SoVIA nicht isoliert arbeitet, sondern in bestehende Fachverfahren eingebunden wird, um Prozesssicherheit und Qualitätsstandards zu gewährleisten. Besondere Aufmerksamkeit galt dabei der Qualität der Trainingsdaten, der Regelwerke sowie der Datenpflege, um eine verlässliche, transparente und nachvollziehbare Entscheidungsgrundlage zu schaffen. Insgesamt verdeutlichte der Vortrag, dass SoVIA als unterstützendes Werkzeug dient: Sie entlastet die Verwaltung, macht Prozesse effizienter, schafft strukturierte und überprüfbare Daten und stärkt zugleich die Transparenz in der kommunalen Umweltplanung und Klimaschutzarbeit.

Mit ArchivAIr wurde schließlich ein Projekt vorgestellt, das die digitale Erschließung von Bauakten in den Fokus rückt. Historische Bauunterlagen sind in vielen Kommunen nur eingeschränkt digital durchsuchbar, obwohl sie für Planungsprozesse, Sanierungsvorhaben oder Nutzungsänderungen von zentraler Bedeutung sind.

Im Deep Dive wurde gezeigt, wie Verfahren zu automatischer Texterkennung mit semantischer Analyse kombiniert werden, um relevante Metadaten automatisiert zu extrahieren und Dokumente inhaltlich zugänglich zu machen. Durch die intelligente Indexierung und Suchfunktionalität können Recherchezeiten signifikant reduziert werden. Gleichzeitig verbessert sich die fachliche Entscheidungsgrundlage, da relevante Informationen schneller und strukturierter verfügbar sind. Im Deep Dive wurde deutlich, dass die digitale Erschließung von Archivbeständen nicht nur ein Effizienzprojekt ist, sondern ein strategischer Baustein moderner Umwelt- und Gebäudeplanung.


Ausblick

Der Deep Dive im Innovationsbereich Umweltplanung und Gebäude hat eindrucksvoll gezeigt, dass die vorgestellten KI-Anwendungen keine abstrakten Zukunftsszenarien darstellen, sondern praxisnahe  Lösungen für den kommunalen Kontext sind. Die Expertinnen und Experten der verschiedenen Use Cases legten Wert auf technische Transparenz, klare Governance-Strukturen und konsequente Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben. Gleichzeitig wurde die Skalierbarkeit der Ansätze hervorgehoben: Architekturprinzipien wie RAG-basierte Wissenssysteme, hybride Suchmechanismen und automatisierte Dokumentenanalyse lassen sich modular auf weitere Fachbereiche übertragen.

Der Deep Dive verdeutlichte damit, wie KI verantwortungsvoll als Assistenzsystem eingesetzt werden kann: Sie strukturiert Fachprozesse, macht Informationen effizient zugänglich und entlastet Mitarbeitende – stets eingebettet in klar definierte Zuständigkeiten und nachvollziehbare Qualitätsmechanismen. So werden technologische Innovationen direkt in die kommunale Praxis überführt und schaffen messbaren Mehrwert für Verwaltung, Bürgerinnen und Bürger.