Digitaltag 2026

Kommunale KI in der Praxis – Rückblick auf die 6. AEG-Sitzung

Im Rahmen des Digitaltags fand am 26. Juni 2026 die sechste Sitzung der Arbeits- und Entwicklungsgemeinschaft (AEG) mit dem Schwerpunkt „Bürgernahe Use Cases“ von URBAN.KI statt. Die Online-Veranstaltung brachte Fachleute aus Wissenschaft, Forschung und kommunaler Praxis zusammen, um den aktuellen Stand Künstlicher Intelligenz (KI) in Städten, Gemeinden und Landkreisen einzuordnen. Im Mittelpunkt standen Anwendungsbeispiele, die zeigen, wie KI dazu beiträgt, kommunale Aufgaben zu optimieren und Prozesse weiterzuentwickeln.

Nach der Begrüßung eröffnete Prof. Dr. Karin Küffmann von der Westfälischen Hochschule die Veranstaltung mit einer Einführung in das Themenfeld „Künstliche Intelligenz und ihre Anwendung in Kommunen“. Im Mittelpunkt standen dabei die Rahmenbedingungen, die für die Entwicklung und den Einsatz von KI-Anwendungen relevant sind, sowie die Bedeutung von Daten als Grundlage entsprechender Lösungen. Darüber hinaus ging sie auf rechtliche, organisatorische sowie wirtschaftliche Aspekte ein, die bereits bei der Konzeption und Umsetzung kommunaler KI-Lösungen berücksichtigt werden sollten.

Im Anschluss standen drei Praxisbeispiele aus unterschiedlichen kommunalen Handlungsfeldern im Fokus.

Den Auftakt der Praxisbeispiele gestalteten Dr. Magnus Redeker und Lukas Klein vom Fraunhofer IOSB-INA. Anhand von Projekten aus Lemgo und Bremerhaven zeigten sie, wie Künstliche Intelligenz die Steuerung von Lichtsignalanlagen an das tatsächliche Verkehrsgeschehen anpassen kann. Während in Lemgo eine KI-basierte Ampelsteuerung mithilfe realer Verkehrsdaten und Simulationen optimale Schaltfolgen erlernt, wird in Bremerhaven untersucht, wie mehrere miteinander verbundene Ampelanlagen gemeinsam den Verkehrsfluss verbessern können. Ziel dieser Ansätze ist es, Staus und Wartezeiten zu reduzieren sowie CO₂-Emissionen zu senken. Die vorgestellten Projekte verdeutlichen, wie KI dazu beitragen kann, Verkehrssteuerungen flexibler an das tatsächliche Verkehrsaufkommen anzupassen.

Im zweiten Vortrag stellte Dr. Frank Knospe von der Stadt Essen das Forschungsprojekt TWIN4ROAD vor. Ziel des Projekts ist es, den Zustand kommunaler Straßen datenbasiert zu erfassen und potenzielle Schäden frühzeitig zu identifizieren. Hierfür werden visuelle Aufnahmen mit radarbasierten Tiefenscans kombiniert und mithilfe Künstlicher Intelligenz ausgewertet. Auf dieser Grundlage entsteht ein digitales Abbild der Straßeninfrastruktur, das besonders beanspruchte Bereiche sichtbar macht und Hinweise auf mögliche Schäden wie Schlaglöcher liefert. Die gewonnenen Erkenntnisse können Kommunen dabei unterstützen, Instandhaltungsmaßnahmen gezielter zu planen und Straßen langfristig vorausschauend zu bewirtschaften.

Den Abschluss der Vortragsreihe gestaltete Björn Althaus vom Zentralen Kommunalen Entsorgungsbetrieb (ZKE) der Stadt Saarbrücken. Er zeigte, wie Künstliche Intelligenz schrittweise in die digitale Transformation des Entsorgungsbetriebs eingebunden wird und welche Potenziale sich daraus für kommunale Dienstleistungen ergeben. Im Mittelpunkt stand die Entwicklung einer KI-gestützten Störstofferkennung für Biotonnen. Vor dem Hintergrund der verschärften Anforderungen der Bioabfallverordnung soll das System Fremdstoffe bereits während der Abfallsammlung erkennen, Auffälligkeiten dokumentieren und so die Qualität des gesammelten Bioabfalls sichern. Althaus erläuterte zudem den Weg von der Marktsondierung über die technische Erprobung bis hin zur geplanten Einführung der Lösung in den Regelbetrieb. Ergänzend stellte er einen KI-gestützten Müllsammelroboter vor, der Abfälle in Grünanlagen selbstständig erkennt und einsammelt.

Mit den Beiträgen aus den Bereichen Mobilität, Infrastruktur und Abfallwirtschaft spannte die 6. AEG-Sitzung den Bogen über unterschiedliche kommunale Aufgabenfelder, in denen Künstliche Intelligenz bereits eingesetzt wird. Die Vorträge machten zugleich nachvollziehbar, dass der Nutzen solcher Anwendungen weit über den Einsatz einzelner Technologien hinausgeht. Eine belastbare Datenbasis, geeignete organisatorische Strukturen sowie die Berücksichtigung rechtlicher Rahmenbedingungen bilden die Grundlage dafür, KI-Lösungen dauerhaft in kommunale Prozesse zu integrieren.